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Klassiker von gestern – Comeback in Sicht?

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Schutz und Zier: Feine, handegenähte Handschuhe aus dem Sortiment von Ed.Meier München (Foto: Jan Hemmerich)

Als ich vor einigen Jahren Workshops für Absolventen der EBS in Oestrich-Winkel abhielt, empfahl ich für den Business-Casual-Look die Sakko-Hose-Kombination. Die Resonanz auf diesen Ratschlag war gering. Es war damals schwer, junge Männer für karierte Jacken oder Blazer zu begeistern. Seit einigen Jahren liegt das Sakko wieder stark im Trend und seit kurzem sogar die kleinkarierte Variante. In der klassischen Herrenmode geht kaum mal etwas dauerhaft verloren. Doch ein paar Accessoires und Anzugformen scheinen wirklich tot zu sein. Werden sie bald reanimiert?

  1. Gamaschen
    Die meisten kennen dieses Accessoire nur aus Filmen, Büchern oder Second-Hand-Läden. Gamaschen dienten ursprünglich dazu, die Knöchel von Halbschuhträgern zu wärmen, waren aber auch Zierelement. Meistens waren die Gamaschen aus grauem Wollstoff, es gab sie aber auch in Weiß oder Schwarz. Der Volksmund nannte sie auch Hundedeckchen. Ich habe immer angenommen, dass dieses Accessoire mausetot ist. Vor ein paar Tagen habe ich bei Instagram ein Foto von Erik Mannby gesehen, das ihn in seinem Hochzeits-Cut zeigt – mit grauen Gamaschen. Kündigt sich ein Comeback an?
  2. Der Stresemann
    Laut dem sehr verlässlichen “Mode und Kostümlexikon” von Ingrid Loschek wurde die Kombination aus schwarzem, einreihigen Sakko, heller Weste und umschlagloser Cut-Hosen den 1920ern von Gustav Stresemann “lanciert.” Dass sie deshalb auch in anderen Ländern in Mode kam, halte ich jedoch für unwahrscheinlich, denn die Deutschen hatten nach dem ersten Weltkrieg einen äußerst schlechten Ruf. Ich nehme eher an, dass diese Mode parallel an verschiedenen Orten aufgekommen ist, da sich diese Variante als etwas bequemere Abwandlung der Gehrock- und Cut-Kombinationen angeboten hat. Im englischsprachigen Raum ist sie als “stroller suit” geläufig. Der “Stresemann” wird gelegentlich  noch als Alternative zum Cut bei Hochzeiten getragen. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Anzug eine Renaissance erlebt. Warum? Ich habe es im Gefühl. Und überlege ernsthaft, mir so einen Anzug machen zu lassen. Einen ausführlicheren Artikel über dieses Kleidungsstück findet man übrigens bei Gentleman’s Gazette.
  3. Spazierstöcke
    Im späten 19. Jahrhundert trug der Herr generell Hut und Spazierstock, nach dem ersten Weltkrieg kam der Stock dann langsam aus der Mode. Als Stöcke noch selbstverständlich dazugehörten, war sie ein sehr wichtiges und sehr beachtetes Accessoire. Heute tragen nur wenige Dandies noch Stöcke und ich weiß  nicht, ob das zu bedauern ist. Ich glaube auch nicht, dass der Spazierstock wieder in Mode kommen wird. Allein schon deshalb, weil die meisten Menschen eine ihrer Hände schon für das Smartphone brauchen. Aber vielleicht täusche ich mich. Denn manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich zum Spazierstock greifen will. Für einen Spaziergang auf dem Land hätte ich sogar ein passendes Exemplar, stadtfeine Stöcke fehlen mir aber in meiner Sammlung. Vielleicht ändere ich das in ein paar Jahren.
  4. Das Nachthemd
    Wer sich nicht davor scheut, wie jemand aus einem lustigen schwarz-weiß-Film auszusehen und sich nicht daran stört, dass Nachthemden beim Schlafen hochrutschen, wird die Art von Schlafbekleidung gern tragen. Im Sommer sind Nachthemden tatsächlich ganz angenehm, allerdings ist es schwer, darin eine souveräne Figur zu machen. Ich habe es immer mal damit versucht, bin dann aber wieder auf den klassischen Schlafanzug umgestiegen. Ein Comeback halte ich aber nicht für ausgeschlossen.
  5. Der Schrankkoffer
    Ein Gepäckstück, das nur mit Hilfe von Dienstleuten bewegt werden kann, hat in der heutigen Zeit natürlich nichts mehr zu suchen. Jedenfalls hierzulande und für Menschen mit normalem Einkommen. Deswegen werden Schrankkoffer  überwiegend als Schrank benutzt, zur Dekoration oder von extrem wohlhabenden Menschen, die ihr Gepäck im eigenen Flugzeug transportieren. Ein Comeback des Schrankkoffers ist deshalb mehr als unwahrscheinlich. Sehr schade, denn kein Gepäckstück ermöglicht einen vergleichbar schonenden Transport der Garderobe und kein Gepäckstück lässt sich so schnell packen. Schranktür auf, Anzüge am Bügel herausgenommen und einfach in den Koffer hineingehängt. Fertig. Da zu viele Widerstände einen Comeback entgegenstehen, halte ich es leider für ausgeschlossen.
  6. Handschuhe
    Schon als ich 1997 an meinem Buch “Der Gentleman” gearbeitet habe, hatte ich ein Comeback des Handschuhs als Teil der Alltagsgarderobe erwartet. Es ist immer noch nicht eingetreten. Allerdings ist ein gesteigertes Interesse an hochwertigen, händisch gefertigten Handschuhen als Accessoire zu verzeichnen. Rein subjektiv jedoch und nur in der Nische der am klassischen Stil interessierten Herrenwelt. Meine Vermutung, dass der Handschuh wieder fester Teil der Alltagsgarderobe werden könnte, wurzelte in meiner Abneigung gegen Treppengeländer und Türgriffe im öffentlichen Raum – von der ich angenommen hatte, dass andere Stadtbewohner sie teilen. Auch die die zunehmenden Gefahren der UV-Strahlung sprachen für eine Wiederentdeckung des Handschuhs. Von UV-Strahlen hier im Moment aber niemand mehr, der Klimawandel scheint die Menschen mehr Sorgen zu machen als die Angst vor Hautschäden.  Außer bei Kindern, die von bestimmten Eltern nicht mehr ohne Sonnenhut (mit Nackenschutz) auf den Spielplatz gelassen werden. Vielleicht sollten die Eltern auch einmal an sich denken und einen Hut aufsetzen und Handschuhe anziehen. Ich freue mich jedenfalls immer an kalten Tagen, weil ich dann endlich Handschuhe anziehen kann.

 

2 thoughts on “Klassiker von gestern – Comeback in Sicht?”

  1. In GB, from where it originates – it is not referred to as a Stroller, but ‘Black Jacket’ (with Cashmere trousers) – in the US, it became the Stroller!
    Best regards
    Butler

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